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2005 Vision Europa 2025

Mittwoch, der 17. August 2005, 20 Uhr. Der Konzertsaal am Gendarmenmarkt ist voll, wie immer bei Young Euro Classic. Doch man sieht keine Musiker, da werden keine Instrumente gestimmt. Ulrich Matthes ist da, der Schauspieler des Jahres 2005. Seine Kollegin Martina Gedeck. Die Aspekte-Moderatorin Luzia Braun (ZDF). Ein Konzert mit drei Paten, aber ohne Musik?

Nein, an diesem Abend hat Young Euro Connect Premiere!

Schon lange war es unser Traum, im August nicht nur die besten jungen Musiker Europas, ja der ganzen Welt, nach Berlin zu holen, sondern das politische Engagement deutlicher sichtbar zu machen, das hinter unserem Festival steht.

Kurz nach den gescheiterten Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden sind wir in diesem Sommer 2005 mehr denn je davon überzeugt, dass man Europa nicht den Politikern und Bürokraten in Brüssel und Straßburg allein überlassen darf. Europa braucht einen neuen Impuls, und der sollte, so denken wir, aus der Kultur und von engagierten jungen Menschen kommen. Wir möchten, dass sie einander treffen in der deutschen Hauptstadt, die so lange Stein und Stacheldraht gewordene Trennungslinie zwischen Ost und West war.

Young Euro Connect also. An einem der beiden spielfreien Abende des Musiksommers 2005 ist die Bühne frei für 8 junge Autoren: aus Bosnien, Deutschland, Estland, Frankreich, Großbritannien, Polen, der Slowakei und der Türkei. Sie alle sind jung und zählen in ihren Heimatländern zu den beachteten literarischen Hoffnungsträgern.

Alle 8 hatten von uns dieselbe Aufgabe gestellt bekommen: Was ist Deine Vision vom Jahr 2025? Wie soll Dein Land in 20 Jahren aussehen? Welche Rolle soll es in Europa spielen? Und was erwarten Deine Mitbürger und Du von Europa?

„Als ich das freundliche Angebot erhielt”, so begann zum Beispiel der Essay des Slowaken Michal Hvorecký, „etwas über die Welt zu schreiben, wie sie wohl in zwanzig Jahren sein wird, wurde mir wieder einmal klar, wie ungern ich irgendetwas über die Zukunft vorhersage. Albert Einstein hat einmal gesagt: Ich denke niemals an die Zukunft. Sie kommt früh genug. Viel lieber würde ich etwas darüber schreiben, wie die Welt vor 25 Jahren war... Wie also lebte man zur Zeit meiner Kindheit, um das Jahr 2025 herum? Aus heutiger Sicht sind das gute alte Zeiten. ... Ich gehöre einer Generation an, deren berühmteste Persönlichkeiten computeranimiert sind. Ich habe eine Ära großer Veränderungen mitgemacht. Die ökonomische Krise zwang Regierungen, sogar auch ihre eigene staatliche Identität zu verkaufen, auf die sowieso niemand mehr Wert legte. Deutschland hieß damals schon einige Jahre Lidl-Land und im Englischen wurde es Germoney genannt. Kanada hatte es leichter, es nahm den Sponsoren-Namen Canada Dry an. Die Vereinigten Staaten benannten sich um in uBillnated Gates of America. Auf der Landkarte des alten Kontinents tauchten Länder wie Whirlpooland und Red Bullgaria auf. Die Europäische Union hatte nur noch ein einziges Mitglied: die Türkei. Und Europa erhielt den offiziellen Untertitel Made in China.”

Der Slowake, das wird in diesem kurzen Auszug deutlich, beantwortete die Frage nach einer großen Vision „lieber ironisch statt pathetisch. So entstand ein zwar illusionsloses, aber immerhin lebendiges und greifbares Bild von Europa, das so fröhlich und bunt war wie die quietschblaue Trainingsjacke, die der Schriftsteller trug.” (DIE WELT)
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